Die Investitionen von Finanzinvestoren (z.B. Private Equity und Family Offices) nehmen seit Jahren auch in Deutschland zu. Inzwischen halten sie mehr als 1.000 Unternehmen in ihren Portfolien und beschäftigen dort über 1 Million Arbeitnehmer. Jetzt hat das von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) berechnete German Private Equity Barometer für das 2. Quartal 2018 neue Höchststände sowohl für die Geschäftslage als auch für die Geschäftserwartung erreicht.

Das Geschäftsklima bekommt durch die Entwicklung der Nachfrage nach Beteiligungskapital Auftrieb: Quantität und Qualität des Dealflows der Beteiligungskapitalgeber ziehen deutlich an. Der Indikator für die Höhe der Nachfrage übertrifft dabei seinen bisherigen Bestwert vom Sommer 2011 und der Qualitätsindikator bleibt nur knapp unter seinem bisherigen Höchststand. Auch die Teilindikatoren Fundraisingklima und Exit-Umfeld bleiben auf einem historisch hohen Niveau, fallen aber und haben sich etwas von ihren Rekorden aus dem vergangenen Jahr entfernt. Dies dürfte mit der aktuellen Unruhe auf den Finanzmärkten zusammenhängen, die u.a. von der Gefahr eines internationalen „Handelskriegs“ ausgelöst wurde.

Damit erleben wir derzeit die längste und stabilste Wachstumsphase in der bisherigen Geschichte des deutschen Beteiligungsmarktes. Und ein Abschwung ist derzeit nicht erkennbar. Die Einschätzungen der Marktteilnehmer sprechen eher dafür, dass gerade auch mittelständische Unternehmen weiter auf Wachstum setzen und Beteiligungskapital dabei eine wichtige Rolle spielen wird.

Die Angebotspalette der Finanzinvestoren hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verbreitert. Neben den klassischen Buy-Out Häusern, die oftmals vor Ablauffrist ihres Fonds ihre Beteiligungen verkaufen, gibt es zwischenzeitlich interessante Alternativen. Stille Beteiligungen der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften sind hierfür ein Beispiel. Oder die Family Offices, die sehr langfristig meist komplett ohne Exit­-Gedanken investieren. Auch die Unternehmerlandschaft ändert sich. Immer mehr Unternehmer entscheiden sich heute mit Mitte 50 oder Anfang 60 zum Verkauf. Vielleicht, weil sie mehr Zeit für Familie und Freizeit möchten. Oder sie wollen sich noch einmal an einem neuen Geschäftsmodell  versuchen. Da ist Private Equity durchaus eine interessante Option. Doch nicht nur die Beteiligungsbranche boomt. Der gesamte M&A Markt läuft seit geraumer Zeit rund. Zudem zeigen die niedrigen Zinsen und billiges Fremdkapital weiterhin Wirkung, auch wenn sich langsam eine Trendwende abzeichnet. Die Kassen der Unternehmen sind gut gefüllt und der Anlagedruck für Finanzinvestoren  besteht fort. Interessante  Zielunternehmen zu finden ist jedoch schwieriger denn je. Der Markt ist hart umkämpft, es werden hohe Preise und Multiples gezahlt. Alles also gute Gründe, sich als Unternehmer intensiver mit den sich daraus ergebenden Optionen zu beschäftigen.

Zum Autor:

Dr. Klaus Weigel ist seit 2007 Geschäftsführender Gesellschafter der Board Xperts GmbH, Frankfurt am Main. Er war 25 Jahre für Banken im Corporate-Finance- und Private-Equity-Geschäft in leitender Funktion und als Mitglied in Beiräten und Aufsichtsräten tätig. Die Board Xperts GmbH ist spezialisiert auf die Vermittlung qualifizierter Aufsichtsräte und Beiräte. Dr. Weigel ist zugleich Mitgründer und Vorstandsmitglied der Vereinigung Aufsichtsräte Mittelstand in Deutschland e.V. (ArMiD).

E-Mail: klaus.weigel@board-experts.de

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