Sparringspartner in familiengeführten Unternehmen
Von Dr. Klaus Weigel, Managing Partner, WP Board & Finance GmbH


Der Anteil familiengeführter Unternehmen in Deutschland, die einen qualifizierten und aktiven Beirat haben, nimmt stetig zu. Dabei herrscht eine zunehmende Akzeptanz vor, dass ein mit qualifizierten Persönlichkeiten besetztes Beratungs- und Kontrollgremium insbesondere als strategischer Sparringspartner der Unternehmensführung maßgeblich den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens fördert.

Beirat als strategisches Instrument

Bei Aktiengesellschaften und bei großen Unternehmen mit anderen Rechtsformen sind Aufsichtsräte gesetzlich vorgeschrieben. Doch auch Familienunternehmen des breiten Mittelstands können auf freiwilliger Basis einen Beirat installieren und sich somit den Sachverstand externer Experten sichern. Ein solcher qualifizierter Beirat kann als strategisches Instrument eingesetzt werden, um die vielfältigen Herausforderungen mittelständischer Unternehmen zu bewältigen:

  • Wie soll sich das Unternehmen künftig marktmäßig positionieren?
  • Welche Produkte sollen künftig angeboten, welche neu entwickelt werden?
  • Wie soll dem zunehmenden internationalen Wettbewerb begegnet werden?
  • Welche Finanzierungsinstrumente und -strategien sollen künftig eingesetzt werden?
  • Müssen gegebenenfalls Restrukturierungen kurzbzw.mittelfristig eingeleitet werden?

Hierzu sind Gesprächspartner notwendig, die über entsprechende Erfahrungen auf diesen Gebieten verfügen. Aber selbst größere, managementgeführte Mittelstandsunternehmen verfügen in einer deutlichen Mehrheit von über 60% noch immer über keinen Beirat. Diese Quote dürfte im breiten Mittelstand noch erheblich größer sein.

Netzwerke und externes Know-how

Die Aufgaben eines Beirats reichen von der Beratung (und Überwachung) des Managements über den Ausgleich unterschiedlicher Interessen von Gesellschaftern (und Management) bis zur Unterstützung durch Außenkontakte. Beiräte sind grundsätzlich nicht in das operative Geschäft involviert. Aber sie bringen eine unabhängige Sichtweise ohne betriebsinterne Zwänge und Interessenkonflikte ein und können so externes Know-how zur Verfügung stellen, über das das Unternehmen selbst nicht verfügt. Dies kann z. B. bezüglich neuer Auslandsmärkte und/ oder Kundensegmente gelten und damit dem Unternehmen helfen, Risiken zu verringern und Fehler zu vermeiden. Erfahrene Beiräte können aber auch als Vermittler zwischen unterschiedlichen Gesellschafterinteressen und/oder Meinungsunterschieden zwischen Gesellschaftern und Management fungieren. Dies gilt z. B. in Krisensituationen oder bei der Frage der künftigen Gesellschafterstruktur bis hin zur Regelung der Unternehmensnachfolge. Über Beiratsmitglieder kann aber auch der Zugang zu neuen Kontakten und Netzwerken erreicht werden und damit letztlich auch der Zugang zu neuen Märkten bzw. Vertriebswegen. Schließlich können Beiratsmitglieder auch den Außenauftritt mittelständischer Unternehmen z. B. gegenüber Banken und anderen Bezugsgruppen unterstützen.

Fazit

Ein qualifiziert besetzter Beirat ist keine lästige Formalie, sondern kann als strategisches Instrument eingesetzt werden, um die Zukunft mittelständischer Unternehmen zu sichern und damit zugleich unternehmerisches Vermögen zu erhalten und zu mehren. Gerade auch mittelständische Unternehmer sollten sich die Vorteile dieses Instruments bewusst machen – und es gezielt einsetzen. Dabei können sie sich auch an Private Equity-Investoren orientieren, die qualifiziert besetzte Beiräte in vermehrtem Umfang in ihren Portfoliogesellschaften etablieren und damit ihre Wertsteigerungsstrategien nachhaltig unterstützen.

Zur Person:

Dr. Klaus Weigel (klaus.weigel@board-finance.de) ist Managing Partner der WP Board & Finance GmbH. Die WP Board & Finance GmbH ist u. a. auf die Suche und Identifizierung qualifizierter Aufsichtsräte und Beiräte spezialisiert. www.board-finance.de

Erschienen in: Unternehmeredition 01/07, Sonderausgabe „Mittelstandsfinanzierung 2007“